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Der Blutharsch a.t.i.c.o.t.l.h. / Aluk Todolo - A Collaboration (2011)

in Aktuelles 29.05.2012 21:55
von T.B. • 193 Beiträge

DER BLUTHARSCH AND THE INFINITE CHURCH OF THE LEADING HAND / ALUK TODOLO - A Collaboration



Jahr: 2011
Land: Österreich / Frankreich
Label: Wir Kapitulieren Nilsmals!
Format: LP (auch als CD erhältlich)
Klingt wie: ein Drogentrip?


DER BLUTHARSCH AND THE INFINITE Frage nach dem Stilwechsel. Wohl kaum wird sie mit dieser Split schon vor dem kommenden Album beantwortet werden können, denn "A Collaboration" ist hier durchaus wörtlich zu nehmen: Beide Bands sandten sich Roh-Versionen ihrer jeweiligen Stücke zwischen baguette ville und Wiener Wald hin und her, um sie der jeweils anderen Kombo zur freien Bearbeitung zur Verfügung zu stellen. Resultat sind vier gemeinsame Stücke auf zwei Seiten 12", verpackt in glänzendem LP-Cover mit standesgemäßem Prägedruck, standesgemäß NULL Informationen (außer WKN) auf der Rückseite (und standesgemäß zur falschen Seite offen). Uniforms are always changing, manche Dinge hingegen wohl nie...

Als "Seite A" betitele ich mal diejenige mit nur einem Totenkopf auf dem Label und der Gravur "God hates Rock'n'Roll". Hier finden wir den ersten der allesamt gut 10minütigen Songs. Wobei "Song" irreführend sein könnte, treffen wir doch nicht auf klassische Strukturen, ganz im Gegenteil. Unheilvoll beginnt es mit zehrend langsamem Rhythmus und daniederkrachender Gitarrenwand + jeder Menge Details wie hintergründigem "Zirpen", bäumt sich dann zu einem monotonen und stampfenden, rein instrumentalen Biest auf, getragen von wummerndem Bass und kreischenden Riffwänden bei für uns merkwürdig anmutendem Beat a.k.a. kein Blast. Genau so wird der schmale Grat zwischen Monotonie und Langeweile gekonnt gemeistert.

Das zweite Lied wirkt hingegen sehr ruhig, mit hypnotisierendem Beat, dezentem männlichen Gesang, akustischen Saiten und Orgel. Es hat etwas von einer drogendurchsetzten Jamsession, stattfindend irgendwo zwischen einem versifften Jazzkeller und einem Café bei Nacht. Ein beinahe chilliges Stück, würde es nicht so intensiv und psychedelisch daherkommen und zum Ende hin durch den Einsatz verzerrter Gitarren und hintergründiger Schreie ins nahezu Kakophonische driften, um einem genialen Höhepunkt zuzusteuern, an dem das Stück schon frühzeitig hätte enden können.

Die B-Seite (zwei Schädel, keine Gravur) beginnt mit einem Titel, der sich wieder in den eigenen Rhythmus hineinzusteigern scheint, unterlegt mit abgedreht hypnotischem Bass, Sprachsample und der wunderbar jaulenden Hammond-Orgel. Das zweite Lied (ebenso rein instrumental) ist ruhiger, gleichsam düsterromantischer, mit abwechselnd akustischen und verzerrten Gitarren, verspieltem Bass, ausufernden Effekten, bis es sich fast zu einem david-lynch-meets-daran-aranofsky-soundtrack-artigen Dub-Step-Kracher entwickelt. Uff... Ich wage zu behaupten, hinsichtlich Grundstimmung und -charakter, hier mehr von der D.B.-Definition kerzen-, dope- und amoniak-getränkten Rock'n'Rolls, wie er sich bei "Flying High!" oder den Splits mit WHITE HILLS und O.S.D.O.U. abzeichnet, zu hören als auf der A-Seite, wohlweißlich, dass ich ALUK TODOLO vorher nur vom Namen kannte.

Insgesamt ein interessantes, spannendes Stück Musik zwischen psychedelisch und erdig, aber zu jeder Zeit intensiv und ehrlich, mit einer herrlich dichten Atmosphäre und dem Zeug, sehr oft gehört zu werden.

Die LP ist limitiert und bereits ausverkauft, bei dem einen oder anderen Zwischenhändler aber noch zu einem (für non-Metal-LPs) normalen Preis (16,- bis 18,- eur) zu finden.

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